Es ist an der Zeit, männliche Opfer häuslicher Gewalt anzuerkennen.

Wenn wir über Gewalt im Allgemeinen und häusliche Gewalt im Speziellen sprechen, wird oft angenommen, dass die Opfer generell Frauen sind. Und die Statistiken diesbezüglich sind wirklich traumatisch. So wurde laut Expertenmeinungen bis zu jede dritte Frau Opfer häuslicher Gewalt in Deutschland. Eine erschreckende Zahl.
Eine weniger bekannte aber nicht weniger bedrückende Tatsache ist, dass eine bemerkenswerte Anzahl von Männern ebenfalls Opfer sind. Sie erleben sowohl in heterosexuellen als auch in gleichgeschlechtlichen Beziehungen körperlichen, geistigen und sexuellen Missbrauch.
Expertenmeinungen zufolge ist bis zu jedes dritte Opfer häuslicher Gewalt ein Mann. Männer zögern jedoch oft, Missbrauch zu melden, weil sie sich verlegen fühlen, befürchten, dass ihnen nicht geglaubt wird, oder Angst haben, dass die andere Seite (die Partnerin) sich rächt.

Leider genießt das Thema „Gewalt gegen Männer“ sowohl wissenschaftlich als auch gesellschaftlich keinen hohen Stellenwert. Das Hervorheben dieser Tatsache soll Gewalt und vor allem häusliche Gewalt gegenüber Frauen in keiner Weise herunterspielen. Es soll jedoch zu dem wachsenden Diskurs beitragen, dass jeder, auch Männer, Opfer von häuslicher Gewalt werden kann und jeder, der Schutz benötigt, Zugang dazu verdient. Gleichzeitig möchten wir mit Hilfe dieses Artikels Möglichkeiten aufzeigen, sich Hilfe zu holen, und Opfern Mut machen, die Gewaltsituation zu beenden.

Als missbrauchter Mann kann es zu Ressourcenmangel, mangelndem Verständnis von Freunden und Familie sowie rechtlichen Hindernissen kommen, insbesondere wenn Du versuchen solltest, das Sorgerecht für deine Kinder von einer missbräuchlichen Mutter zu erlangen.
Doch grundsätzlich muss eines ganz klar feststehen: Unabhängig von deinen individuellen Umständen kannst Du alle diese Herausforderungen bewältigen und der Gewalt und dem Missbrauch entkommen.

Gewalt gegen Männer

Eine missbräuchliche Partnerin unterscheidet sich nicht so stark von einem gewalttätigen Mann, wie wir denken. Sie kann schlagen, treten, beißen, schlagen, spucken, werfen oder zerstören. Um einen Unterschied in der physischen Stärke auszugleichen, kann sie dich angreifen, während Du schläfst, oder dich auf andere Weise überraschen. Sie kann auch eine Waffe verwenden oder dich mit einem Gegenstand schlagen, deine Kinder misshandeln oder bedrohen oder deinen Haustieren Schaden zufügen.

Natürlich ist häuslicher Missbrauch nicht auf physische Gewalt beschränkt. Emotionaler und verbaler Missbrauch kann ebenso schädlich sein. Als Mann kann deine Ehepartnerin oder Lebensgefährtin:

  • Dich beschimpfen oder demütigen – Insbesondere vor Freunden, Kollegen oder der Familie oder in sozialen Medien,
  • Besitzergreifendes verhalten zeigen, eifersüchtig sein oder immer wieder Vorwürfe von Untreue und ähnlichem in den Raum stellen,
  • Kontrollsüchtiges Verhalten an den Tag legen,
  • Versuchen, Kontrolle über deine Finanzen zu übernehmen,
  • Versuchen, dich durch (falsche) Anschuldigungen zu diffamieren und von Freunden, Familie, Polizei zu isolieren,
  • Drohen, dich zu verlassen und dich daran zu hindern, deine Kinder zu sehen, wenn Du den Missbrauch melden solltest

Wir wissen heutzutage, dass ein solcher Missbrauch durch gewalttätige Partnerinnen leider Gottes für viele Männer Realität ist. Wichtig ist, dass es Mittel und Wege gibt, solche missbräuchlichen Beziehungen zu beenden. Der Umgang mit dem Thema „Gewalt gegen Männer“ erschwert für die Opfer jedoch häufig den Umgang mit ihrer Situation.

Hürden auf dem Weg heraus aus einer missbräuchlichen Beziehung

Unabhängig vom Geschlecht ist es selten einfach, eine Beziehung zu beenden, selbst wenn sie missbräuchlich ist. Es wird noch schwieriger, wenn Du von Freunden und Familie isoliert, bedroht, manipuliert und kontrolliert oder physisch und emotional niedergeschlagen wurdest.

Möglicherweise hast Du das Gefühl, dass Du in der Beziehung bleiben musst, weil:

  • Du dich schämst. Viele Männer schämen sich sehr, dass sie missbraucht wurden, nicht in der Lage waren, für sich selbst einzustehen, oder irgendwie in ihrer Rolle als Mann, Ehemann oder Vater versagt haben.
  • Dir deine religiösen Überzeugungen vorschreiben, dass Du in der Beziehung bleiben musst oder dein Selbstwertgefühl so gering ist, dass Du das Gefühl hast, dass diese missbräuchliche Beziehung alles ist, was Du verdienst.
  • Es dir an Ressourcen mangelt. Viele Männer befürchten, dass sie Schwierigkeiten haben, von den Behörden unterstützt zu werden, oder dass ihr Missbrauch nicht ernst genommen wird, oder dass es nur wenige Ressourcen gibt, um missbrauchten Männern gezielt zu helfen.
  • Du den Missbrauch leugnest. Genau wie bei weiblichen Opfern häuslicher Gewalt wird die Ablehnung eines Problems in deiner Beziehung den Missbrauch nur verlängern. Du magst deine Partnerin immer noch lieben, wenn sie nicht missbräuchlich ist und glauben, dass sie sich ändern wird oder dass Du ihr helfen kannst. Änderungen können jedoch nur dann eintreten, wenn der Täter/die Täterin die volle Verantwortung für sein/ihr Verhalten übernimmt und eine professionelle Behandlung sucht.
  • Du deine Kinder schützen willst. Du befürchtest, dass deine Ehepartnerin deinen Kindern Schaden zufügt oder Du keinen Zugang zu ihnen haben wirst, wenn Du die Beziehung verlässt.

Du kannst die Situation beenden! Du bist nicht alleine und nicht schwach!

Viele Männer tragen noch immer eine ganz bestimmte Angst mit sich herum: Ein Mann, der Hilfe sucht, ist schwach.
Die Wahrheit? Es gibt nur wenige Handlungen, die so viel Mut erfordern wie das Beenden einer missbräuchlichen Beziehung. Zu erkennen, dass Du Hilfe benötigst, und dann die erforderlichen Schritte zu unternehmen, um diese zu erhalten, ist keine Schwäche. Es ist ein Zeichen der Stärke.
Häusliche Gewalt und Missbrauch können schwerwiegende physische und psychische Auswirkungen haben. Der erste Schritt, um sich zu schützen und den Missbrauch zu stoppen, besteht darin, sich zu melden. Sprich mit einem Freund, Familienmitglied oder einer anderen Person, der Du vertraust, oder melde dich bei einer Hotline für häusliche Gewalt.
Neben dem Gefühl der Erleichterung und der dringend benötigten Unterstützung kann die Weitergabe von Details des Missbrauchs auch der erste Schritt sein, um ein Verfahren gegen die missbräuchliche Partei einzuleiten.

Achte auf Anzeichen, die eine heftige Reaktion deines Partners auslösen können, und sei bereit, schnell zu gehen. Wenn Du bleiben musst, um deine Kinder zu schützen, ruf den Rettungsdienst an. Die Polizei ist verpflichtet, dich zu schützen, genau wie sie es für ein weibliches Opfer tut.

Sammle Beweise für den Missbrauch. Melde alle Vorfälle der Polizei und führe ein Tagebuch über jeden Missbrauch mit einer klaren Aufzeichnung von Datum, Uhrzeit und Zeugen. Füge eine fotografische Aufzeichnung der Verletzungen bei und stelle sicher, dass ein Arzt die Art der Verletzungen dokumentiert.

Lasse dich von einem Programm für häusliche Gewalt oder einer Rechtshilfe beraten, wie Du eine einstweilige Verfügung oder eine Schutzanordnung gegen deine Partnerin erhalten und gegebenenfalls vorübergehend das Sorgerecht für deine Kinder beantragen kannst.

Weiterführende Informationen, die Mut machen, findest Du hier:

https://www.land.nrw/de/pressemitteilung/nordrhein-westfalen-und-bayern-legen-vor-zwei-bundeslaender-schaffen

https://weisser-ring.de/praevention/tipps/gewalt-gegen-maenner

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